Der Nachbau der ADLER VON LÜBECK

Für dieses erste sehr umfangreiche Projekt innerhalb des Vorhabens „Deutschen Museumswerft“, den authentischen Nachbau der ADLER VON LÜBECK, im Rahmen der „Experimentellen Archäologie“, wird einer der beiden Historiker des Institutes die erforder-lichen tiefer gehenden Recherchen durchführen und den Bau des Schiffes dann bis zu seiner Fertigstellung und darüber hinaus wissenschaftlich begleiten.

Gemälde der ADLER VON LÜBECK (um 1700)
Bei diesem grössten Schiff der Hanse handelt es sich um eine nordeuropäische Galeone, auch wenn sie fälschlicherweise vielfach als Karacke oder gar als Kogge bezeichnet wird; zahlreiche Details weisen jedoch klar auf den Typ einer Galeone hin, während aber auch noch einige wenige Elemente einer Karacke zu finden sind (nähere Einzelheiten zur ADLER VON LÜBECK könne Sie der umfangreichen pdf-Datei weiter unten entnehmen).

Im Jahre 1565 in Lübeck auf der Wallhalbinsel durch den Schiffbaumeister Sylvester Franke auf Kiel gelegt, sollte die etwa 75 m lange (LüA) und rund 15 m breite ADLER VON LÜBECK mit ihren wahrscheinlich 138 verschiedenen Geschützen im 7-jährigen „Nordischen Krieg“ dafür sorgen, dass die Schiffe des Hansebundes unge-fährdet ihrem Handel nachgehen konnten. Doch mit der Fertigstellung im Jahre 1567 sassen die Kriegsparteien bereits am Verhandlungstisch, so dass die ADLER VON LÜBECK dafür und auch nicht später in irgendwelche Kriegshandlungen hinein-gezogen wurde. Wohl waren für den Fall der Fälle angeblich etwa 1.000 (!) Soldaten und Seeleute vorgesehen, aber einen ernsthaften Schuss hat dieses Schiff nie abgegeben.

Die ADLER VON LÜBECK hatte eine Verdrängung von ca. 2.000 t, was damals eine gewaltige Menge war. Die Höhe vom Kiel bis zum Top betrug über 60 m und sie besass einen mittleren Tiefgang von ca. 5,30 m. An ihren insgesamt 4 Masten trug dieses Schiff etwa 1.800 bis 2.000 m2 Tuch.

Alles in allem war die ADLER VON LÜBECK eine „riesige Festung zur See“ und erst um 1625 entstand - in der uns damals bekannten Welt (!) - ein grösseres Schiff.

Gemälde des Marinemalers Olaf Rahardt (2004)
Die ADLER VON LÜBECK war die letzte Reaktion der Hanse auf die sich sehr verändernde weltweite Handelssituation, mit der diese einst so mächtige Organisation nochmals ihre Stärke zeigen wollte. Aber andere Nationen (Spanien, Portugal, die Niederlande, England usw.) hatten der Hanse inzwischen längst den Rang abgelaufen. Der letzte Hansetag fand im Jahre 1669 statt und 1679 war die Hanse noch einmal beim Friedenskongress in Nimwegen beteiligt, doch das Städtebündnis war faktisch schon nicht mehr existent.

Als Dauer für die vollständige Fertigstellung des Nachbaues auf der „Deutschen Museumswerft“ werden 10 bis 12 Jahre veranschlagt. In der Zeit danach soll die ADLER VON LÜBECK als Botschafter der Stadt Lübeck in Ost- und Nordsee die Häfen der alten (und neuen) Hanse ansteuern, wobei gleichzeitig wissenschaftliche Erkenntnisse über u.a. die Segel-eigenschaften der ADLER VON LÜBECK gesammelt werden sollen. – Weitere derartige Projekte sind anschliessend schon angedacht.

Es handelt sich weltweit um eines der grössten maritimen historischen Projekte! - Wenn Sie Fragen dazu haben, so melden Sie sich bitte.

Ausführliche Informationen zur ADLER VON LÜBECK

Damit die Besucher unserer WebSite sich über das grösste Schiff der Hanse - und der damaligen Zeit - informieren und die Leser sich die Zusammenhänge verdeutlichen können, stellen wir an dieser Stelle die von Bernd Klabunde recherchierte sehr um- fangreiche Arbeit mit dem Titel „Kleine Geschichte der ADLER VON LÜBECK und ihre Zeit“ als pdf-Datei zur Verfügung (inzwischen über 120 Seiten). – Diese Datei beinhaltet u.a. den bisher allgemein zugänglichen Wissensstand zu diesem sehr berühmten Schiff, Angaben zu der Zeit dieses Schiffes und verfügt über ein kleines Wörterbuch zu den maritimen Begriffen, über ein sehr grosses Quellenverzeichnis und Informatio- nenzu allen bisherigen heutigen Fundstellen diese lübecker Galeone. – Diese Zusam- menstellung soll aber auch Werbung dafür sein, sich mit der sehr interessanten weiteren maritimen Geschichte der Hansestadt Lübeck zu beschäftigen, denn dieser nachfolgende Text stellt in seinem Kern ja nur einen sehr, sehr kleinen Zeitraum der Gesamtgeschichte Lübecks dar.

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